große Sprüche, wenig Kompetenz

Beziehen möchte ich mich hier auf einen Artikel, gelesen am 03.05.2014 im Darmstädter Echo.

Der Artikel spricht eine Sache an, welche für den Erfolg einer Person essentiell ist, die Eigen- und Fremdwahrnehmung. Oft wird man von seiner Umgebung anders wahrgenommen, wenn man seiner Stimme arbeitet oder z.B. am Händedruck. Jeder kennt den typischen „Schaumschläger“ oder auch „Blender“. Sie zeichnen sich dadurch aus, viel Wind um eine bestimmte Materie zu machen, haben selbst aber wenig Ahnung. Sie haben eine gute Körpersprache, ein raumfüllendes Auftreten und sehen gut aus. Beruflicher Erfolg hängt eben von 10% Fachkompetenz, 30 % Image und 60 % Bekanntheitsgrad ab. Das soll nicht heißen, dass keine Fachkompetenz nötig ist, sonder bezieht sich rein auf die Wahrnehmung durch einen potenziellen Kunden. Was bedeutet dies für einen Fotografen? Es bedeutet, dass nicht unbedingt die Bilder wichtig sind für Erfolg – insbesondere wenn er am Anfang seiner Karriere steht. Ich sehe schon die Fragezeichen bei den Lesern dieses Artikels und ich möchte es erklären.

Vor einiger Zeit hatte ich eine Begegnung in meinem Lieblings-„Begegnungsportal“: Facebook. Ich war mal wieder auf der Suche nach Inspiration und traf auf eine Facebook-Seite mit über 5.000 Mal „Daumen hoch“. Da muss ich mal schauen, dachte ich mir. Ich scrollte durch die Bilder und war entsetzt, aber der Bursche schien damit sein Geld zu verdienen. Mein Augenmerk richtete ich nun auf das was er schrieb, postete und natürlich Bilder von sich selbst. Er war ein Selbstdarsteller, sah aus wie ein Top-Schauspieler aus Hollywood – hatte etwas von Paul Walker – und er machte mächtig Wind. Wind um alles was er tat … auch wenn es völlig unterqualifizierte Produkte hervorbrachte. Aber die Leute akzeptierten dies, wie sollten sie auch seine Kompetenz überprüfen? Kunden oder potentielle Kunden sind nicht die Experten, sonst würden sie ihn nicht buchen. Die Psychologie spricht hierbei auf von dem sogenannten Halo-Effekt. Einem Phänomen der menschlichen Psyche, den ersten Eindruck immer wieder zu bestätigen. Menschen nehmen in Folge dieser kognitiven Verzerrung alles wahr, was zu dem ersten Eindruck passt. Alles was davon abweicht, wird unterdrückt. Aber wie enttarnt man nun einen solchen Schaumschläger? Als Experte für eine Sache gelingt dies relativ einfach: fachlich und sachlich nachfragen. Meist wird der „Blender“ dann schnell aus der Fassung gebracht, die Fragen als nicht relevant abgetan oder sich gar darüber lustig gemacht. Experten haken stattdessen nach und fragen gerne ein zweites oder drittes Mal. Im Internet kann man sich dann gegenseitig blocken oder den anderen per 1000 Zeichen Mail beschimpfen. Im echten Arbeitsleben merken dann aber potentielle Kunden schnell, wo der Experte sitzt.

Was kann man also für sich tun? Man sollte auch auf Kleidung oder Statussymbole achten, denn sie sind oft der visuelle Träger von Erfolg und Kompetenz. Übertragen auf das Fotografie-Gewerbe bedeutet dies, wie in vielen anderen Branchen auch, sich anzupassen. Anpassung hat aber nichts mit „ich mache das gleiche“ im Sinne von Nachahmung. Dies kann aufgesetzt wirken und schlägt meist ins Gegenteil um. Es bedeutet eben „sein eigenes Ding“ zu finden, sich selbstsicher und vor allem authentisch darzustellen. Die eigenen Qualitäten offensiv bewerben und sich von Schaumschlägern, Blendern oder dem neudeutschen Begriff „Hater“ nicht aus der Fassung bringen lassen. Eine Notwendigkeit, wenn einem selbst dies klar wird, besitzt man weniger Schwierigkeiten sich zu vermarkten.

 

Verfasser des in Bezug gebrachten Artikels war: Jobs&Karriere, Holzhofallee 25-31, 64295 Darmstadt